Fünf Bewerber für die Kreistagswahl standen bei der Podiumsdiskussion des Kreisseniorenrats in der Unterweissacher Seniorenbegegnungsstätte Rede und Antwort, es ging um allerlei, vom Führerschein für Ältere über Bürgerbusse und die Arztversorgung im ländlichen Raum bis zur Barrierefreiheit (siehe Infobox) – das Schlüsselthema aber kristallisierte sich am Ende bei den Statements aus dem Publikum in aller Schärfe heraus. „Das Pflegepersonal wird verheizt“, klagte eine Frau. Eine andere: „Das drängendste Problem von allen – einen Pflegeplatz suchen.“ In mehreren Wortmeldungen ging es immer wieder um ähnliche Erfahrungen: Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, altersbedingt oder wegen Krankheit, ist es schwer, einen Pflegeplatz zu finden, sei es in der Tages-, sei es in der Dauerpflege.

20 Bewerber für einen Platz

Im Dezember 2016 erschien die Broschüre „Älter werden im Rems-Murr-Kreis“ – ein wichtiges Grundlagenwerk, das Zahlen und Tendenzen zusammenfasst. Es heißt darin: Bis zum Jahr 2020 werde der Bedarf im Kreis bei etwa 4160 stationären Pflegebetten und weiteren 370 Kurzzeit- oder Tagespflegeplätzen liegen. Aktueller Stand seinerzeit: „Gemessen an den Bedarfseckwerten bestehen keine quantitativen Versorgungslücken an Dauerpflegeplätzen“ im Rems-Murr-Kreis – „was aber nicht bedeutet, dass in jedem Fall der gewünschte Platz zur Verfügung steht“. Defizite zeichneten sich vor allem ab „in der Versorgung von bestimmten Zielgruppen“, zum Beispiel bei Schwerstpflegebedürftigen oder „schwer demenziell erkrankten Menschen mit Weglauftendenzen“.

Ein paar Minuten lang schien es in der Unterweissacher Podiumsdiskussion, als sei, wenn schon nicht der Stein der Weisen, so doch ein wichtiges Mosaikstückchen gefunden – Vorschlag eines Mannes aus dem Publikum: Der Landkreis solle eine Online-Plattform einrichten, auf der jederzeit aktuell alle als frei gemeldeten Pflegeplätze im Kreis abrufbar sein müssten.[1] Schluss mit der lästigen Sucherei, Info per Mausklick – eine Liste mit Pflegeheimen ploppt auf; wo ein grünes Lämpchen brennt, ist was frei, dahinter die Telefonnummer ... Auf dem Podium nickten alle: Klingt gut. Müsste machbar sein. Wäre hilfreich.

Nach der Veranstaltung: Waltraud Bühl, Vorsitzende des Kreisseniorenrats, lächelt hintersinnig. Doch, ja, sagt sie, das wäre hübsch – nur: Welche freien Plätze werden da aufleuchten, wenn es „keine freien Plätze gibt“? In manchen Heimen kämen „auf einen Platz 20 Bewerber. So sieht die Welt aus.“ Angenommen, wir begännen heute, „zwei oder drei neue Heime zu bauen – bis die fertig sind“, sagt Bühl, wären sie auch schon wieder voll.